Lernschule für Machmuga


Aktuell - Neuigkeiten  |  Montag, 21. Juni 2010

Nach einem Direktflug von Athen nach Schiphol (natürlich mit Air Miles bezahlt) kam gestern Nachmittag die junge Grüne Meerkatze Machmuga bei AAP an. Der zweijährige Affenjunge war durch die Reise ziemlich durcheinander. Nahezu an ein Menschenleben gewöhnt, muss er das unerwartete Einschließen in einer Tiertransportkiste als Schock erfahren haben.

Im November 2008 bekam Lila, die frühere Besitzerin von Machmuga, die Babymeerkatze von einem Freund, der damals eine Rundreise durch Kenia machte. Dieser Freund entdeckte das sechs Monate alte Äffchen, als es von Kindern mit Steinen beworfen wurde. Machmugas Mutter war offenbar durch einen elektrischen Schlag ums Leben gekommen und er griff ein. Die Absicht war gut, aber Machmuga verschwand dadurch aus seinem Geburtsland. Außerdem musste jetzt für den Kleinen gesorgt werden.

Nicht vernünftig

Lila suchte nach Informationen über Affen und kam schnell zu dem Schluss, dass es nicht vernünftig ist, einen Affen als Haustier zu halten, weder für den Menschen noch für das Tier. Eine Suche nach Auffang führte sie schließlich zu AAP. Leider dauerte es noch eineinhalb Jahre, bis Machmuga zu uns kommen konnte. Eineinhalb Jahre, in denen der kleine Affe furchtbar verwöhnt wurde.

Liebe

Natürlich hat Lila in den besten Absichten gehandelt. An Pflege hat es Machmuga sicher nicht gefehlt: jeden Tag spielte Lila mit ihm und ging mit ihm im Wald spazieren, sodass er in Bäume klettern konnte. Er hatte einen Käfig mit einem großen weichen Schlafkissen und Kuscheltieren, aber er durfte auch manchmal bei ihr im Bett schlafen. Sie lausten sich und Machmuga durfte ihr sogar den Kaugummi aus dem Mund nehmen, um selbst darauf zu kauen. Lila war verrückt nach ihrem Äffchen und dieses nach ihr; kann man bei einem solchen Übermaß an Liebe von Schuld sprechen? Doch es lässt sich nicht leugnen, dass Lila zu nachgiebig war. Sie setzte ihm keine Grenzen, wodurch Machmuga sich als Haustyrann entpuppen konnte.

In dieser Hinsicht hat SBS6 mit der Ausstrahlung der Dokumentation 'Een aap als baby' (Ein Affe als Baby) am 9. Juni (trotz unserer Bitte, dies nicht zu tun) uns einen besonders schlechten Dienst bewiesen. Was auf das Niedlichsein folgt, wird nämlich nicht gezeigt: Das Äffchen wächst heran, wird dominant und stellt eine Gefahr für seine Umgebung dar. Sogar Lila, die von Anfang an die Absicht hatte, Machmuga an AAP abzugeben, entkam dieser Entwicklung nicht. Für Machmuga war Lila ebenso sehr sein Eigentum wie seine Kissen und Kuscheltiere und er wurde schon aggressiv, wenn jemand in ihre Nähe kam, geschweige denn sie berührte. Dann fing er an zu kreischen und zu beißen plötzlich verhielt er sich wie das wilde Tier, das er ja auch war.

Erziehung

Jetzt stehen die Tierpfleger in der Quarantäne vor der schwierigen Aufgabe, aus diesem beschädigten Menschenkind wieder ein echtes Affenkind zu machen. Das wird sehr allmählich gehen müssen. Machmuga darf z.B. vorläufig alle seine mitgebrachten Kuscheltiere behalten, denn er wird es in den kommenden, einsamen Wochen schwer genug haben... Glücklicherweise ist er ein kluges Tier, dem geistige Bereicherung wahrscheinlich viel Vergnügen bereiten wird. Aber wir sehen jetzt schon dem Moment sehnsüchtig entgegen, in dem er ins Affenhaus darf, wo er Artgenossen treffen wird. Dann erst kann seine echte Erziehung beginnen.