Endlich ein tiergerechtes Leben für Mojo


Aktuell - Neuigkeiten  |  Freitag, 25. März 2011

"Endlich"! Das war das einhellige Aufatmen aller anwesenden AAP-Mitarbeiter, als Direktor David van Gennep heute Nacht mit dem Schimpansen Mojo in Almere eintraf. Die Erleichterung des Teams (Pfleger der Schimpansen und ärztliches Personal) bezog sich nicht auf die späte Stunde, sondern den zähen Kampf, den Stiftung AAP, in enger Zusammenarbeit mit der belgischen Tierschutzorganisation GAIA, in den vergangenen Jahren geführt hat, um Mojo zu befreien.

Der Käfig, in dem Mojo 37 Jahren lang lebteVor drei Jahren begann dieser Kampf, in dem zwei belgische Frauen eine Hauptrolle spielten. Die eine war eine Tierfreundin, die über Umwege erfahren hatte, dass ein einsamer Schimpanse bereits seit Jahrzehnten sein Leben in einem engen und dunklen Käfig durchbrachte; offiziell eine Garage, aber tatsächlich nicht mehr als eine verfallene Hütte. Die andere war die Besitzerin des Tieres: eine eigensinnige alte Frau, die unerschütterlich daran glaubte, dass sie im Recht sei, nämlich, dass niemand so gut für Mojo sorgen konnte wie sie selbst. Um 1975 herum hatte sie ihn aus einem Laboratorium gestohlen (nach ihrer Ansicht gerettet) und ihn wie ein Menschenkind aufgezogen. Aber mit dem Größer- und Stärkerwerden von Mojo wurde es doch notwendig, ihn einzusperren.

Unauflöslich

Die Hütte, in der sie ihn hielt, lag nur einige Meter von ihrem Schlafzimmer entfernt. So konnte sie doch das Gefühl haben, mit ihm verbunden zu bleiben. Denn das war ihre felsenfeste Überzeugung: Mojo liebte sie ebenso wie sie ihn, ihre Beziehung war unauflöslich, selbst der Tod durfte sie nicht trennen. Als sie kränklich wurde, ließ sie in ihrem Testament festlegen, dass Mojo direkt nach ihrem Tod eingeschläfert werden sollte, damit sie gemeinsam begraben werden konnten.

Mojo wacht in der Quarantäne aufLaunenhaft

Sobald die Tierfreundin dies hörte, alarmierte sie GAIA und AAP. Natürlich wollten sowohl GAIA als auch wir alles daran setzen, um Mojo zu retten und so taten wir uns zusammen. Aber Mal um Mal stießen wir auf Granit - die launenhafte alte Frau zog ihre Einladung, David für ein Kennenlernen zu empfangen, immer wieder zurück und die belgischen Behörden waren auch nach wiederholten Überprüfungen der Meinung, dass es Mojo an nichts mangelte.

Beharrlich und flexibel

Vor kurzem hat die Tierfreundin einen wütenden Brief an die verantwortliche belgische Behörde geschickt, in dem sie die Verhältnisse, unter denen Mojo lebte, detailliert beschrieb. Plötzlich kam der Stein ins Rollen: Am vergangenen Wochenende erfuhren wir, dass Mojo gestern beschlagnahmt werden sollte. Also haben wir eiligst ein Quarantänegehege für ihn vorbereitet und den AAP-Bus für seinen Transport eingerichtet. Heute Nacht hat Mojo, zum ersten Mal nach 37 Jahren, in einer geräumigen, sauberen, hellen Umgebung geschlafen und heute Morgen ist er mit Sonnenschein auf seinem Gesicht aufgewacht! Wir sind stolz darauf, dass AAP zugleich professionell-beharrlich sein kann und doch nie seine Flexibilität verloren hat.

Menschennahrung

Wie es nun mit Mojo geht? Sein körperlicher Zustand ist noch schlechter, als wir befürchtet hatten, denn seine Besitzerin hat ihn mit "Menschennahrung" der schlimmsten Art versorgt. Beim Abschied legte sie David ans Herz, dass Mojo seinen Kaffee gerne mit schön viel Zucker trinkt und dass er nur "Fadennudeln" lecker findet ("also keine Makkaroni, nur Spaghetti!"). Ein Bier schlug er offenbar auch nicht aus ("die Marke macht nichts aus") und er bevorzugte süße Nachspeisen ("am liebsten Sahnetorte, aber andernfalls auch einen Pudding"). Ist es verwunderlich, dass Mojo ein vollständig verfaultes Gebiss hat und dass er mehr als doppelt so viel wiegt wie ein normales Schimpansenmännchen? Leider gab ihm sein liebhabendes Frauchen an Tagen, an denen sie sich nicht gut fühlte, einfach nichts zu essen und musste Mojo sich mit verfaulenden Essensresten behelfen.

Schlank und rege

Mojo hat zudem keinerlei soziale Erfahrungen. Aber natürlich werden wir alles daran setzen, um dieser traurigen Geschichte zu einem glücklichen Ende zu verhelfen. Darin haben wir auch vollstes Vertrauen– Schimpanse Fiffy, die mit einer vergleichbaren Vorgeschichte nach AAP kam, ist jetzt eine schlanke, rege, äußerst soziale Dame, die begierig in einen Kopf Endivien beißt. Mojo ist mit seinen 37 Jahren etwas älter als sie, aber noch immer nicht zu alt, um Veränderungen zu akzeptieren. Es wäre fantastisch, wenn Mojo in einem halben Jahr in einer unserer Schimpansengruppen aufgenommen sein würde.